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Basler
Zeitung, 16.01.2006 |
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Was sind historische Höchststände an den
Börsen wert?
Im Moment flattern wieder einmal allenthalben die Depotauszüge
der Banken per Ende 2005 in die Stube. Ein mancher,
der entgegen den Empfehlungen vieler Berater seine guten
alten Aktien eben doch durch die Baisse der letzten
Jahre durchgelitten hat, mag sich die Augen reiben.
Plus 36% im SPI und zwischen plus 15 und plus 30% im
Durchschnitt unserer Nachbarländer. Einzig in den
USA haben es die Aktienmärkte auf eine nicht besonders
gloriose einstellige Rendite gebracht. Aber es kommt
ja noch besser: In der letzten Woche hat der SPI mit
einem Indexwert von 5900 einen neuen historischen Höchstwert
erklommen. Und jetzt? Dass die Bäume nicht in den
Himmel wachsen, wissen die meisten noch aus den Jahren
2001 und 2002. Nicht wenige haben damals mit schlottrigen
Knien ihre Positionen verkauft, sind seither nicht mehr
zurückgekommen und haben entsprechend den Aufschwung
der letzten 30 Monate verpasst. Schade. Aber eigentlich
nicht verwunderlich. Langfristiges Anlegen ist nicht
mehr in Mode, «Buy and Hold» ist für
die Ewiggestrigen und schliesslich hat es nur allzu
viele Gurus gegeben, die Anfang 2003 genau gewusst haben,
dass man mit Aktien nun jahrzehntelang nichts mehr verdienen
würde. Aber wie ist es denn nun mit den historischen
Höchstwerten, wenn die Bäume nicht in den
Himmel wachsen? Steht uns die nächste grosse Korrektur
bevor?
Optimisten und Pessimisten. Zunächst gilt es zu
beachten, dass die damaligen «Bären»
ja auch nur in der Baisse wirklich negativ waren. Nach
verpassten 50 und mehr Prozenten glauben auch sie langsam
wieder an die Aktie. Zweitens gilt es bei kurzfristiger
Analyse immer auch die Bewertung der Aktienmärkte
relativ zur Entwicklung der Unternehmensgewinne zu analysieren,
und diese sind im letzten Jahr geradezu explodiert.
Und schliesslich ist es zwar richtig, dass die Bäume
nicht in den Himmel wachsen, aber sie wachsen immerhin
«gen Himmel». Und wie im Wald, tun sie dies
auch an den Börsen nur sehr langsam. Und auch wenn
es nach jeweiligen Extremjahren schwer fällt, daran
zu glauben, so ist es doch eine Tatsache, dass man an
den Aktienmärkten über lange Zeiträume
(10 bis 20 Jahre) im Bereich von 6 bis 8% per annum
verdient hat und es keinen Grund gibt anzunehmen, dass
sich daran etwas Wesentliches ändern sollte. Schliesslich
reflektieren die Aktienbörsen ja langfristig nichts
anderes als die Wirtschaftsentwicklung und die Entwicklung
der Unternehmensgewinne.
KAUM analytische aussagekraft. Die Grafik zeigt auf,
was historische Höchstwerte in diesem Kontext bedeuten.
Es enthält eine Darstellung der Indexzahlen für
Schweizer Aktien und Obligationen, wie sie von der Banque
Pictet & Cie in Genf regelmässig bis zurück
in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gerechnet
werden. Die rote Kurve zeigt die Entwicklung eines Aktienindexes
(inkl. Dividenden) über die Zeitperiode von 1925
bis 2005. Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung eines
Obligationenindexes. Offensichtlich haben beide Indizes
einen zeitlichen Trend, schwanken aber unterschiedlich
um ihre Trendentwicklung. Der Trendanstieg beim Aktienindex
liegt bei den oben erwähnten 6 bis 8% per annum,
derjenige bei der Obligation bei etwa 4 bis 41?2%. An
sich nichts besonders Aufregendes oder Neues. Mit Aktien
verdient man mehr als mit Obligationen, dafür schwanken
sie stärker. Deutlich wird in dieser Grafik aber
einmal mehr, dass historische Höchstwerte eigentlich
analytisch nicht viel wert sind.
Heftige Schwankungen. Eine trendbehaftete Zeitreihe
liefert immer wieder «historische Höchstwerte».
So sind Trends definiert. Im Bereich der Aktienindizes
verkennt man dies deswegen gelegentlich, weil die Schwankungen
um den Trend ziemlich heftig ausfallen können oder
weil man einfach nicht verstehen will, dass diese Trends
existieren. Und was heisst das für den Anleger?
Wer einen langen Atem hat - in aller Regel bezeichnet
man damit einen Anlagehorizont von 10 oder mehr Jahren
- wird damit rechnen können, dass die «natürlichen
Trends» an den Aktienmärkten auch ohne kurzfristige
«Aktionitis» und exotische Strukturen zumindest
für Kapitalerhaltung und im Zweifelsfall für
eine gute Rendite sorgen.
rentabel. Und das Ausnutzen der kurzfristigen Bewegungen
zur Verbesserung der Rendite? Kostet oft viel Geld und
verlangt nach der Identifizierung des richtigen Ausstiegs-
und des richtigen Einstiegszeitpunktes. Ein Unterfangen,
das nicht ganz einfach ist, sonst wären nicht die
meisten der aktiv handelnden Funds regelmässig
schlechter als die hier dargestellte Kurve. Vielleicht
ist langfristig ausgerichtetes «Buy-and-Hold»
etwas unmodern und langweilig - rentabel ist es aber
alleweil.
* Erwin W. Heri ist Professor für Finanzmarkttheorie
am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum (WWZ) der Universität
Basel.
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